Digitale KI-Systeme für den Hausarzt 2026

Aktuell ist eine massive Beschleunigung bei der Einführung von digitalen KI-Systemen im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) zu beobachten. Während sie lange als «Zukunftsmusik» galten, sind KI-Tools  nun fest in der Primärversorgung bei den Hausärzten angekommen.

Hier ist ein strukturierter Marktüberblick über die wichtigsten KI-Tools, unterteilt in Funktionsbereiche:


1. Administrative Entlastung & Dokumentation

Dies ist der Bereich mit dem höchsten Return on Investment (ROI) für Hausärzte, da er das Hauptproblem – den Zeitmangel – direkt adressiert.

  • AI Scribes (Ambient Clinical Intelligence): Diese Tools «hören» beim Patientengespräch mit und generieren automatisch strukturierte SOAP-Notizen oder Arztbriefe.
  • Jameda Noa Notes (DE): Eines der ersten dedizierten Tools für den deutschen Markt, das Dokumentationszeiten pro Patient massiv senkt.
  • Intonate / DeepScribe: Spezialisierte Lösungen, die Gespräche transkribieren und direkt in gängige Praxisverwaltungssysteme (PVS) einspeisen.
  • Dragon Medical One (Nuance/Microsoft): Der Goldstandard für Spracherkennung, nun stark KI-angereichert für kontextuelles Verständnis.
  • Aaron (jetzt Teil von Doctolib): Ein KI-basierter Telefonassistent, der Anrufe entgegennimmt, Termine koordiniert und Rezepte vorbestellt, wodurch das Praxispersonal entlastet wird.

2. Diagnostische Entscheidungsunterstützung (Clinical Decision Support)

KI fungiert hier als «digitale Zweitmeinung», besonders bei komplexen oder seltenen Krankheitsbildern.

Differentialdiagnostik:

  • Glass Health: Ein Tool, das auf Basis von Symptomen und Laborwerten Differentialdiagnosen erstellt und Behandlungspläne nach aktuellen Leitlinien vorschlägt.
  • Ada Health (Enterprise): Während die App für Patienten bekannt ist, nutzen Hausärzte die Profi-Schnittstellen zur Vor-Anamnese und Triage.

Bildanalyse in der Hausarztpraxis:

  • Floy: Spezialisiert auf die Analyse von CT- und MRT-Bildern (oft als Service für Hausärzte, die Befunde von Radiologen erhalten), erkennt Pathologien wie Wirbelsäulenerkrankungen oder neurologische Veränderungen.
  • SkinVision / FotoFinder: KI-gestützte Hautkrebs-Früherkennung, die direkt in der Hausarztpraxis zur ersten Einschätzung von Muttermalen genutzt wird.

3. Wissensmanagement & Pharmakotherapie

Hausärzte müssen ein enormes Spektrum an medizinischem Wissen aktuell halten.

KI-Recherche:

  • Perplexity AI / SciSpace: Werden zunehmend genutzt, um schnell evidenzbasierte Antworten auf spezifische klinische Fragen zu finden, inklusive direkter Quellenangaben aus Fachpublikationen.
  • «In a Nutshell» AI (Schweiz): Ein spezifisch für Schweizer Hausärzte trainierter Chatbot, der kuratiertes medizinisches Wissen effizient abrufbar macht.

4. Regionale Marktbesonderheiten (DACH)

Merkmal Deutschland (DE) Österreich (AT) Schweiz (CH)
Fokus Fokus auf ePA-Integration und DiGA (Digitale Gesundheitsanwendungen). Fokus auf ELGA-Anbindung und Effizienz in Gruppenpraxen. Hohe Akzeptanz von Cloud-Lösungen und spezialisierten Start-ups.
Regulierung Streng (EU AI Act & DSGVO), Fokus auf zertifizierte Medizinprodukte. Ähnlich streng, Fokus auf Datensicherheit im öffentlichen Netz. Eigenes Datenschutzgesetz (nDSG), oft Vorreiter bei innovativen Tools.

Zusammenfassende Einschätzung

Der Trend geht weg von isolierten Einzellösungen hin zur nahtlosen Integration. Hausärzte im DACH-Raum bevorzugen Tools, die direkt in ihr bestehendes PVS (Praxisverwaltungssystem) wie medatixx, T2med (DE), INNOMED (AT) oder Vitomed (CH) integriert sind.

Wichtiger Hinweis: Beim Einsatz dieser Tools müssen Ärzte stets die geltenden Datenschutzbestimmungen (DSGVO/nDSG) beachten und sicherstellen, dass die KI-Systeme als Medizinprodukte zertifiziert sind, sofern sie diagnostische Empfehlungen geben.

Artikel: Innovator’s Guide Switzerland, 3. Dezember 2025

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